Malcolm Ohanwe (@MalcolmOhanwe)
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Viele Schwarze Menschen in Deutschland, die mit ihrem krausen Haar Dreadlocks trugen, wurden in der Schule mit Tierlauten angesprochen, angespuckt, als Affe beleidigt und deswegen kann es für sie verletzend sein, jemanden zu sehen, der Dreads einfach als "Kunst"-Accessoire trägt.

Mir stellt sich die Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen kultureller Aneignung und kulturellem Austausch?

Kromonos
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Ich finde die Argumentationen alle extrem schwierig. Zu sagen, das dürfen nur schwarze tragen, ist, meiner Meinung nach, ebenso rassistisch, wie eine Person wegen der Hautfarbe auszugrenzen. Zu argumentieren, dass schwarze mit einer solchen Frisur bespuckt, getreten, gemobbt, … wurden und dass es eine Beleidigung sei, wenn sie weiße tragen würden, würde zugrunde legen, dass besser niemand mehr Dreadlocks tragen dürfte.
Wo ich allerdings zustimme ist, dass es schon sehr ungünstig von der Künstlerin ausgedrückt war, sie würde durch die Frisur einnahmen generieren.

Jürgen
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  • Also ich stimm dir zu dass das sicherlich keine angenehme Erfahrung ist für die Künsterlin, aber rassistisch ist das nicht. Rassismus ist ja gerade auch strukturell verankert, beispielsweise weil Deutschland historisch sehr stark von Kolonialismus profitiert hat und das mit Rassismus moralisch begründet wurde. Deswegen gibt es keinen Rassismus gegen weiße Menschen.
  • Niemand hat wirklich das Recht was Leute mit ihren Haaren machen sollen, das sollte auch gar nicht das Ziel sein.
  • Schwarze Menschen fühlen sich in der Klimagerechtigkeitsbewegung und allgemein in der Gesellschaft häufig nicht wirklich wohl. Nicht nur wegen Rassismus (bspw wenn das N-Wort gedroppt wird), sondern auch weil halt ein starkes Fremdheitsgefühl durch sowas entsteht: wenn Schwarze Menschen häufiger sagen dass sie das unangenehm finden und weiße Menschen es dann trotzdem machen, dann brauchen sich weiße Menschen nicht wundern warum z.B. die Klimagerechtigkeitsbewegung so weiß ist.
  • Es ist im wesentlichen genaudasselbe wie das N-Wort: eine freundliche Bitte die persönlichen Erfahrungen zu berücksichtigen. Das N-Wort nutzen manche Schwarze Menschen als Selbstbezeichnung (siehe Wikipedia-Artikel dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Geusenwort ) und manchmal auch untereinander. Aber wenn weiße Menschen das N-Wort auch nutzen dann ist das trotzdem schmerzhaft/verletzend, weil sich da der abwertende, historisch bedingte Kontext nicht verhindern lässt. Also gerade weil weiße Menschen auch häufiger mal rassistische Vorurteile haben spielt es bei der Verwendung des N-Wortes gar keine sooo große Rolle ob das jetzt eine linke person oder ein AFD-Nazi ist: von Nazis erwartet man das, aber bei linken Personen ist es häufig überraschend, weil man evtl der Person vorher vertraut hat. Beidesmal ist es schmerzhaft. Wenn das linke sagen ist es meist sogar noch viel schmerzhafter weil es das oben genannte Fremdheitsgefühl verstärkt, weil es halt zeigt dass die Person die Rassismuserfahrungen der Betroffenen nicht mitgedacht hat. In beiden Fällen wird vermittelt, dass das niemals ein Zuhause werden kann, wo man sich wohl fühlt. Und dasselbe gilt halt auch für Dreadlocks.
  • Ah und btw, es gibt auch unter von Rassismus betroffenen Menschen natürlich auch unterschiedliche Positionen. Manche stört das gar nicht. Einige schon. Wahrscheinlich hängt das halt auch von den individuellen Erfahrungen ab und wie sehr Mensch sich damit befasst hat. Persönliches Beispiel: mein Schwarzer Nachbar meinte mal zu mir, dass er gern so Haare hätte wie ich, also relativ glatte Haare. Ich glaube was er spürt ist dass er von der Dominanzgesellschaft halt anders behandelt wird, weil er Schwarz ist, krauses Haar hat, etc. Und er sieht um sich herum mehrheitlich weiße Menschen und sieht dass es denen deutlich besser geht als ihm selbst. Also spürt er den Wunsch glatte Haare zu haben, aber das ist halt nicht wirklich möglich weil sich die Haar-Struktur nicht wirklich ändern lässt (insbesondere bei kurzen Haaren!) und auch kein Friseur hier in der Umgebung sich mit Afro-Haaren auskennt.
Kromonos
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Warum sollte es kein Rassismus gegen weiße geben? Wenn ich als Weißer nach Afrika gehe und ich dort aufgrund meiner Hautfarbe ausgegrenzt und als Nazi betitelt werde, ist das genauso rassistisch. Rassismus ist ein Paradox, welches selbst z.B. keine Hautfarben kennt, sich aber genau auf solche Details bezieht. Dabei ist es egal, von wem es kommt und an wen es geht.
Und wenn einer Weißen sogenannte Dreadlocks stehen, dann stehen sie ihr einfach. Zu sagen, das dürfen nur schwarze ist eine Ausgrenzung, wie die, die sie aussprechen genauso wenig für sich selbst wollten.

Jürgen
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Warum sollte es kein Rassismus gegen weiße geben? Wenn ich als Weißer nach Afrika gehe und ich dort aufgrund meiner Hautfarbe ausgegrenzt und als Nazi betitelt werde, ist das genauso rassistisch.

Dann ist das Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit aber kein Rassismus. Es fehlt die Machtkomponente. Weiße Menschen profitieren mehrheitlich von den strukturell verankerten Formen von Rassismus. Sie profitieren vom Wohlstand und der Ausbeutung afrikanischer Länder die der Kolonialismus mitsich brachte und auch heute noch mitsich bringt.

Mit Macht meine ich hier auch beispielsweise, dass weiße Menschen ohen großartige Schwierigkeiten in einen afrikanischen Staat auswandern können, aber Schwarze Menschen im Mittelmeer ertrinken weil es keine legalen Fluchtwege für Menschen ohne Pass gibt.

Anders gesagt: wenn du als weißer Mensch eine afrikanische Stadt besuchst und da Fremdenfeindlichkeit erlebst, dann kann das auch daher kommen weil die dortigen Menschen mit weißen Menschen schlechte Erfahrungen gemacht haben, bspw dass weiße Touristen arrogant sind und ihren Wohlstand, ihre Privilegien raushängen lassen. Quasi ein Vorurteil das aufgrund ihrer Rassismus-Erfahrungen entsteht.

Zu sagen, das dürfen nur schwarze ist eine Ausgrenzung, wie die, die sie aussprechen genauso wenig für sich selbst wollten.

Klar ist das eine Ausgrenzung, das bestreite ich nicht. Aber es gibt auch hier Privilegien, beispielsweise dass weiße Menschen mit Dreadlocks gerade ein großes Publikum geboten wird von der Rechten Presse.

Ich finde es geht im wesentlichen um Höflichkeit. Wenn ich mein Gesicht mit schwarzer Farbe anmale (“Blackfacing”) finde ich es völlig verständlich wenn Schwarze Menschen sich dann verarscht vorkommen und lieber die Gruppe verlassen. Dasselbe gilt für Dreadlocks.

@wintermute@feddit.de
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Rassismus ist ja gerade auch strukturell verankert, beispielsweise weil Deutschland historisch sehr stark von Kolonialismus profitiert hat und das mit Rassismus moralisch begründet wurde. Deswegen gibt es keinen Rassismus gegen weiße Menschen.

Das ist extrem eurozentristisch, Rassismus ist keine Erfindung der Weißen.
Hör mal zu wenn Thais im Alltag über Schwarze reden, Chinesen über Europäer usw.
Also, nach meiner persönlichen Erfahrung sind Menschen Rassisten, unabhängig von Hautfarbe oder kulturellem Hintergrund.

(Das Thema ist hier eigentlich Off-Topic und wäre wohl in !gesellschaft@feddit.de besser aufgehoben)

Sammelbecken für Kartoffeln.

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